Bewerber zur Europäischen Kulturhauptstadt 2025

Bewerber zur Europäischen Kulturhauptstadt 2025

Bilderklärung: Rundreise durch alle aktuell zur Diskussion stehenden Bewerber zur Europäischen Kulturhauptstadt 2025 in Deutschland, von Zittau (A) über Dresden (1), Chemnitz (2), Gera (3), Magdeburg (4), Hannover (5), Hildesheim (6) nach Nürnberg (B), Kartenbild (maps) © Thunderforest, Data © OpenStreetMap contributors

Bewerberfeld

Stand 6. August 2019

Welche Städte bewerben sich in Deutschland um den Titel Europäische Kulturhauptstadt 2025, kurz ECOC2025? Wir veröffentlichten im August 2018 unsere bis dato internen Recherchen, da Presseberichte kursierten, die den Stand schlicht falsch wiedergaben. Dies ist nun erfreulicherweise kaum mehr der Fall.

Der Stand selber kann sich manchmal überraschend schnell ändern, wie wir Ende September 2018 gesehen haben. Daher passen wir den Bericht an.

Eine Klärung bot die Auftaktveranstaltung zur Bewerbung am 16. Oktober bei der ausrichtenden Kulturstiftung der Länder: dort konnten sich die Bewerberstädte im Pecha Kucha-Format präsentieren. Erschienen waren: Chemnitz, Dresden, Gera, Hannover, Hildesheim, Magdeburg, Nürnberg und Zittau. Das Auftreten war jedoch kein Ausschlusskriterium: wer nicht dabei war kann sich trotzdem bewerben.

Jetzt, im Sommer 2019, knapp vor Abgabefrist des Bewerbungsbuchs, das sogenannte Bid Book, kommt es zu Verdeutlichungen. Zudem müssen die Bewerberstädte bis zum 31. August ihre Absichtserklärung an die ausrichtende Kulturstiftung der Länder geschickt haben.

Hier ist unsere Zusammenfassung:

beworben durch Abgabe Absichtserklärung / Bid Book

 

sichere Mitbewerber um den Titel Kulturhauptstadt 2025 durch aktuelle Beschlüsse der Städte

  • Chemnitz – Claim „AUFbrüche. Opening minds, creating spaces“ – Stadtrat hat Anfang März 2019 die Inhalte der Bewerbung beschlossen.
  • Dresden – Motto „Neue Heimat Dresden 2025“
  • Magdeburg – Leitgedanke „Verantwortung“, mittlerweile etabliertes Motto „Machen!“
  • Nürnberg – Claim „Past Forward“ mit den drei Themen „Menschlichkeit (als Maß)“, „Weltgestaltung (Welt als Aufgabe)“ und „Gemeinschaft (Miteinander als Ziel)“
  • Zittau – Motto „365° LEBEN“ (Erläuterung), die Bewerbung steht unter den Begriffen „Kulturherzstadt“ und „Kulturhauptstadt³“, denn die Stadt Zittau bewirbt sich stellvertretend für die Dreiländerregion Oberlausitz mit ihren Partnern in Tschechien und Polen. Per Bürgerentscheid hat sich die Stadt am 26. Mai 2019 mit 8.870 Ja-Stimmen / 74,2 % / Wahlbeteiligung 56,7 % für die Bewerbung entschieden.

 

Mitbewerber um den Titel Kulturhauptstadt 2025, ohne formale Entscheidung

  • Gera – Gera2025, Untertitel „Wir sind auf dem Weg“, ehemaliges Arbeitscredo „Welten treffen und Menschen unterschiedlichster Couleur entdecken“.
    Die Bewerbung ist getrieben durch engagierte Bürger, war kein Standpunkt der Stadtverwaltung mehr, um dann urplötzlich in einem Stadtratsbeschluss zu münden: der exakte Beschluss ist nicht bekannt, Gera „soll“ europäische Kulturhauptstadt werden, heisst es in der Presse. Kern des Beschlusses ist wohl eine Kulturstrategie 2030 zu entwerfen, deren Bestandteil die Bewerbung zur ECOC 2025 sein solle und die Bürgerinitiative Gera2025 zu unterstützen. Das Land Thüringen hat hier beachtlich geschubbst, ooops „angeschoben“ meinen wir natürlich!
  • Hildesheim – Hauptthema laut Beschlussvorlage: „Rübe, Rose und Sinn des Lebens“
    Die Lenkungsgruppe hat Ende Juni 2019 die Bewerbung empfohlen. Bis Ende August 2019 sollen die die Stadt Hildesheim, der Landkreis und die weiteren 17 Landkreiskommunen formal über die Vorlage bestimmen.
    Durch mehrere Beschlüsse des Stadtrats, Kreistags sowie diverser Ratsbeschlüssen von Kommunen im Landkreis ist die Bewerbung quasi beschlossen. Formal jedoch hat die Lenkungsgruppe den Auftrag die Gestaltung der Kulturhauptstadt-Bewerbung zu betreiben und „die fertige Bewerbungsschrift mit einer Empfehlung an den Rat der Stadt Hildesheim und den Kreistag [zu übergeben], die über die Abgabe der Bewerbungsschrift als Antragssteller zu befinden haben.“

 

Frischlinge, Städte, die neu, erneut oder ernsthaft diskutieren

  • keine

 

Städte, die genannt wurden (Stand unklar oder tendierend zum Verzicht)

  • keine

 

Städte die nicht mehr dabei sind

 

Unsere Einschätzung (Ende 2017)

Wir, von NUE2025 verfolgen seit 2016 sehr genau das Mitbewerberfeld. Weniger aus kompetetiven Gründen, sondern mehr um zu lernen, was andere gut machen und zu vermeiden, was andere schlecht machen. Dabei erwägen wir selbstverständlich auch die Chancen und Risiken einer Bewerbung für Nürnberg – auch um die Sinnhaftigkeit unseres Handelns zu überprüfen. Einiges von dem, was wir einschätzten ist bereits so eingetreten: das Ausscheiden von Kassel, Koblenz, Mannheim und Pforzheim, die Bewerbung Zittaus durch Annahme des Bürgerentscheids.

Unsere Vermutungen – über die hier gerne diskutiert werden soll – lauten weiterhin:

Sicher eine Bewerbung abgeben werden:

  • Chemnitz
  • Magdeburg
  • Nürnberg
  • Zittau

 

vielleicht eine Bewerbung abgeben werden:

  • Dresden
  • Gera – Bürgerinitiative, massive Unterstützung durch das Land, eine Stadt, die die Bewerbung als Antrieb für die Entwicklung einer Kulturstrategie benutzt und dies als Zukunftssicherung versteht … all das klingt nach einem Erfolg, egal, ob man am Ende die Bewerbung wirklich durchzieht.
  • Hannover oder Hildesheim – wir vermuten ein Zusammengehen von Hildesheim mit Hannover, wenn Hannover seine Unstimmigkeiten in der Verwaltung überwindet.

 

keine Bewerbung abgeben werden:

  • Hannover oder Hildesheim – wir vermuten ein Zusammengehen von Hildesheim mit Hannover

 

in die zweite Runde / Shortlist kommen:

  • Magdeburg
  • Nürnberg
  • Zittau

Viele unterschätzen den Proporz in der Bundesrepublik Deutschland: es wird eine und nur eine Stadt aus Sachsen auf die Shortlist kommen, Thüringen hatte bereits 1999 mit Weimar eine ECOC und hat im Entscheidungsjahr 2019 in der Aufmerksamkeitsökonomie mit „100 Jahre Bauhaus“ zu kämpfen, der Westen Deutschlands war das letzte Mal mit Essen 2010 dran …

1 Comment
  • Philip Zerweck
    Posted at 15:34h, 04 Oktober Antworten

    Auf facebook kam die Frage:
    „Liebe Kollegen, es fehlt leider eine Erläuterung. „Vielleicht eine Bewerbung abgeben werden: – Dresden“. Danach kein Text, aber die Info, Stadtratbeschluss liegt vor. Warum „vielleicht“? Danke im Voraus!“

    Zu unserer Vermutung, warum Zittau sich sicher bewirbt und Dresden trotz Beschluss nur vielleicht, also vielleicht nicht:

    Bei Kassel vermuteten wir, dass es die Bewerbung aufgibt, weil die Stadt ihre Kraft für den Erhalt und die Weiterentwicklung der documenta benötigt und die ECOC-Bewerbung 2025 keinen nennenswerten Mehrwert mehr versprach – eine schlichtes kräfte-ökonomisches Kalkül also, dass in der Stadtgesellschaft unbewusst gezogen wurde. Wir sollten mit unserer Vermutung Recht behalten.

    Bei Dresden haben wir das Gefühl, was wir erstmal nicht schriftlich darlegten, weil es nur so ein Bauchgefühl ist, dass die aktuellen Probleme der Stadtgesellschaft in Dresden mit anderen Mitteln als der ECOC-Bewerbung besser beizukommen sind. Also ebenfalls ein Kalkül, wo die Energie, die eine Stadtgesellschaft aufbringt, besser investiert werden sollte. Kunst und Diskussion über Kultur scheint die Gesellschaft in Dresden eher zu zerreissen, als zu einigen, siehe zum Beispiel die Diskussion über die Installation „Monument“ Anfang 2017 https://de.wikipedia.org/wiki/Monument_(Installation) oder die entgleiste Veranstaltung „Streitbar“ mit Uwe Tellkamp und Durs Grünbein. Die Fragen: Braucht Dresden die ECOC und umgekehrt, braucht Europa eine ECOC Dresden? müssten so beantwortbar sein, dass es eine positive Feedbackschleife gibt, und zwar nicht erst bei der Endabrechnung, sondern bereits während des Bewerbungsprozesses. Die Bewerbung kostet Kraft und wenn Michael Schindhelm sagt „Dresden steht für die Identitätskrise Europas“ dann denken wir, das stimmt schon, aber „- und sollte deswegen Kulturhauptstadt werden“ (so Schindhelm weiter) ist sehr fraglich. Die Kriterien sagen klar, dass eine ECOC doch mit Vorbild, Beispiel und Lösung assoziiert wird. Wenn die Stadtgesellschaft also den Mangel an positiver Rückkopplung ob dieser Sinn-Lücke zwischen „exemplarisches Problem vielleicht“, aber „exemplarische Lösung nicht zu sehen“ als kräftezehrend empfindet, dann kann das dazu führen, dass sich Dresden vielleicht nicht bewirbt, schlicht, weil die Kraft gefühlt woanders benötigt wird und die Bewerbung mehr Kraft kostet, als sie gibt.

    Zusätzlich kommt noch das landespolitische Kalkül hinzu: das Land Sachsen weiss, dass eine gleichwertige Unterstützung aller drei sächsischen Bewerber nur dazu führt, dass im bundesdeutschen Proporz alle drei geschwächt werden. Zittau ist das komplette Gegenmodell zu allen anderen Bewerberstädten, will die Bewerbung mit seinen europäischen Nachbarn durchziehen und ist im Populistenstreit doch eher ein kommunalpolitischer Lichtstreifen; also wird Sachsen Zittau nicht fallen lassen. Bleibt die Tatsache, dass der härteste Gegner für Dresden in der kräftezehrenden Hetzjagd bis zur Bewerbungsabgabe Chemnitz ist: und da scheint einfach die Aufmerksamkeit und das Momentum in der Großwetterlage eher so zu sein, dass Chemnitz (gefühlt) die Unterstützung braucht und auch die Aufwertung sich als Kulturstadt zu begreifen in positive Energie umsetzen kann. Das Elbflorenz Dresden empfindet sich bereits durchweg als Kulturstadt: siehe Kassel und die Frage, wo ist der Benefit für den Aufwand?

    Zu Zittau: Die Stadt macht vieles anders und ist ein krasser Aussenseiter. Die Bewerbung ist nicht angelegt um zu gewinnen, sondern ausschließlich um sich zu bewerben. Mit entsprechend geringen Kosten und wenig Entfremdung vor Ort. Daher hat es einen extrem hohen Kosten-Nutzen-Faktor und wird sich im anstehenden Bürgerentscheid dafür entscheiden, frei nach dem Motto: „Dabei sein ist alles“! Im Gegensatz zu Städten wie Nürnberg, die unter einer schlechten Bewerbung leiden könnten, durchaus auch u.a. mit Imageverlust und Standortverschlechterung, kann Zittau nur gewinnen.

    Was sind Eure Gedanken dazu?

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